Die Ilha de Tavira

Unbedingt zum Algarve gehört für mich das Wandern am Meer. Und unter den vielen Stränden des Algarve gibt es zwei, die ich besonders gern aufsuche: nämlich den Praia do Armado an der Westküste und eben die Ilha de Tavira im Osten des Algarve.

Natürlich ist in der Hauptsaison im Sommer auch hier maßlos viel los. Aber im Sommer bin ich nur selten dort, ich ziehe es vor im Herbst oder im Frühjahr oder auch im Winter in den Algarve zu reisen. Dann ist die Ilha de Tavira nicht überfüllt, so dass man manchmal fast allein dort am Meer entlangwandern kann.

Ein Sonnenuntergang auf der Ilha de Tavira. Auch im Oktober kann man hier noch barfuss den Flutsaum eantlang wandern.

Ein Sonnenuntergang auf der Ilha de Tavira. Auch im Oktober kann man hier noch barfuss im Wasser den Flutsaum entlang wandern.

Aber erst einmal sollte ich die Ilha de Tavira ein wenig beschreiben. Es ist eine riesige lang gestreckte Sandbank, die als Insel aus dem Meer empor ragt und mehrere Kilometer lang ist. Zwischen dem Land und der Insel befindet sich eine Lagune, die gezeitenabhängig mal mehr und mal weniger Wasser führt. Der Wasserstand kann dabei um schätzungsweise zwei Meter schwanken. Auf der Landseite befindet sich ein breiter Streifen amphibischer Bereich der bei Flut vom Wasser überspült wird und bei Ebbe ein von Pfützen und Prielen durchzogener Lebensraum vieler Vögel, Fische, Krabben und anderer Tiere ist. Er gehört zu dem großen Naturschutzgebiet der Ria Formosa, das sich 50 km weit an der Küste entlang zieht.

Die Flut hat die Ria Formosa auf diesem Bild besonders hoch überschwemmt. Aufgenommen von dem Weg auf dem Damm.

Die Flut hat die Ria Formosa auf diesem Bild besonders hoch überschwemmt. Aufgenommen von dem Weg auf dem Damm von Peras del Rei nach Barril.

Wie der Name schon vermuten lässt befindet sich diese Insel in der Nähe der Stadt Tavira, das heißt nach rechts ie fängt dort an und und reicht dann etwa 5 km nach Osten. Es gibt mehrere solche vorgelagerte Inseln an der algarvischen Südküste. Die meisten sind allerdings nur mit Booten zu erreichen. Das Tolle an der Ilha de Tavira ist, dass man auch zu Fuß dorthin gelangen kann. Und zwar von Pedras del Rei aus. Das ist eine Ferienanlage, die einst dem Club Mediterranée gehört haben soll, und heute wohl anderweitig betrieben wird. Jedenfalls kann man dort immer noch ein Studio oder ein Apartment buchen, wenn auch nur im unteren Sterne-Bereich.

Das ist die Brücke, die von Pedras del Rei aus auf den Damm zur Ilha de Tavira führt. Gegenüber kann man die Station des Bähnchens erkennen.

Das ist die Brücke, die von Pedras del Rei aus auf den Damm zur Ilha de Tavira führt. Gegenüber kann man die Station des Bähnchens erkennen.

Von Pedras del Rei aus führt eine Brücke über die Lagune. Diese Brücke ist beweglich und schwimmt auf blauen Pontons. Unter diesen Pontons kann man meistens Fische beobachten von ganz kleinen in großen Schwärmen bis hin zu wirklich schon recht großen. Am anderen Ende der Brücke beginnt einen Damm, auf dem man die Ria Formosa durchqueren kann. Der Fußweg ist sehr schmal und mit Platten belegt. Neben dem Fußweg verlaufende Gleise einer kleinen Bahn mit Diesel-betriebenen Lokomotiven. Alles wirkt sehr gemütlich und ursprünglich. Der Weg von Pedras del Rei bis auf die Insel ist ungefähr 1,7 km lang.

Eine der Krabben, die man auf dem Weg zur Ilha de Tavira beobachten kann.

Eine der Krabben, die man auf dem Weg zur Ilha de Tavira beobachten kann.

Es ist schön dort entlangzugehen, die Weite der Ria zu sehen, ihren eigentümlichen Geruch und die Meeresluft einzuatmen und allerlei Tiere zu beobachten. Neben vielen Wasservögeln und Watvögeln faszinieren mich immer wieder die Krabben, die man bei Ebbe dort beobachten kann und die Fischschwärme, die bei Flut sofort durch die vielen Priele aufsteigen und auf den Flächen nach Nahrung suchen, wo vor kurzem noch das Land zu sehen war.

Besonders faszinierend finde ich immer die Beobachtung der Krabben, die dort vor ihren Wohnhöhlen sitzen und im Schlamm Futter suchen. Es sieht aus, als säßen sie vor einem Mauseloch. Und genauso reagieren sie auch. Bei der geringsten Störung verschwinden sie blitzschnell in ihrer Wohnhöhle. Ich fand es noch niemals langweilig, den Weg auf die Insel hinüberzugehen.

Dies ist die bewusste Holzbrücke, die seit einigen Jahren zwischen dem Strandcenter Barril und dem Strand ist.

Dies ist die bewusste Holzbrücke, die seit einigen Jahren zwischen dem Strandcenter Barril und dem Strand ist.

Dort angekommen erreicht man zunächst das Strandcenter Barril, auch die ander eingelesene Station des Bähnchens ist hier. In dem Strandcenter befinden sich sanitäre Anlagen und mehrere Möglichkeiten, etwas zu essen zu bekommen. Von dort aus geht es über eine Holzbrücke, die es bis vor wenigen Jahren noch nicht gab, hinunter zum Strand und an den Atlantik. Die Brücke wurde in einem Jahr errichtet, als an der gesamten Insel entlang, in Richtung Ria Formosa, eine auf Anhieb erst einmal hässlich wirkende Maßnahme zum Schutz vor Erosion durch Wind aufgebaut wurde. Es sind nämlich so etwas wie Holzzäune aufgestellt worden mit senkrechten Latten, gut ein Meter hoch, immer in Karrées von ungefähr 3 m Seitenlänge, die wohl bewirken sollen, dass der Sand darin angesammelt wird. Da ich die Ilha de Tavira noch von früher kannte, war dieser Anblick für mich zunächst stark gewöhnungsbedürftig. Aber natürlich sehe ich die Notwendigkeit dieser Maßnahme zum Küstenschutz ein.

Die Befestigung gegen die Erosion der Ilha de Tavira ist hier schon fast mit Sand voll geweht. Im Vordergrund kann man sehen, wie der Atlantik an der Insel nagt.

Die Befestigung gegen die Erosion der Ilha de Tavira ist hier schon fast mit Sand voll geweht. Im Vordergrund kann man sehen, wie der Atlantik an der Insel nagt.

Der Haupt-Badebetrieb findet links und rechts des Bereichs statt, die man über die Holzbrücke erreicht. Dort weht auch die Fahne, die anzeigt ob gebadet werden kann oder nicht. Nach links geht es in Richtung Tavira, wo ein weiteres Strandcenter ist, das von Tavira aus mit Booten erreichbar ist. Mir gefällt es dort aber nicht so gut, ich gehe lieber von Pedras del Rei aus auf die Insel.

Nach rechts kann man nun einige Kilometer laufen. In einem Bereich des Strandes geht man an einer ausgewiesenen FKK-Zone vorbei, wo aber hauptsächlich im Sommer etwas los ist. Aber wen so etwas stört, der sollte auch im Herbst damit rechnen, dass sich dort einige Leute erholen. Es stört niemanden, wenn ein Strandwanderer dort entlang geht, der Bereich ist nicht extra abgesperrt sondern nur durch Schilder kenntlich gemacht. Ich nehme aber an, dass dümmliche Gaffer dort ebenso unerwünscht sind wie an jedem anderen solchen Strand auch.

Diese munteren Vögelchen kann man häufig bei der Futtersuche am Flutsaum beobachten.

Diese munteren Vögelchen kann man häufig bei der Futtersuche am Flutsaum beobachten.

Je weiter man sich vom Strandcenter Barril entfernt, desto weniger andere Menschen begegnen einem. Natürlich gibt es noch mehr Wandernde, die das zu schätzen wissen, aber es sind nur einzelne und die Rummelatmosphäre bleibt in einer anderen Welt zurück.

Bei einer Strandwanderung gibt es immer irgendetwas zu erleben. Es gibt die Vögel, zum Beispiel müssen und Strandläufer, denen man zusehen kann oder die Fischerböötchen, die manchmal nicht weit von der Küste entfernt auf Fang aus sind. Natürlich gibt es allerlei Strandgut, aber kaum Zivilisationsmüll. Davon findet man hier eher sehr wenig. Manchmal ein Fischernetz, eine Plastikdose, eine Tüte oder wer weiß was sonst. Aber dieser Strand ist keineswegs übersät mit Müll. Dafür gibt es eine Menge Muscheln, natürlich Seetang und ähnliche Pflanzen, manchmal ganze Baumstämme und anderes mehr.

Unterm Strich: das Strandwandern auf dieser Insel tut einfach gut, die Weite, die Luft, das Meer und die Atmosphäre von allem zusammen sind für mich Erholung pur und es wird mich sicher noch öfter dorthin ziehen: auf die Ilha de Tavira!

Ein Sonnenuntergang bei Barril

Ein Sonnenuntergang bei Barril

 

Das ist der schmale Weg zur Ilha de Tavira.

Das ist der schmale Weg zur Ilha de Tavira.Blick über die Ria Formosa bei Ebbe.

Blick über die Ria Formosa bei Ebbe.

Blick über die Ria Formosa bei Ebbe.