Wandern im Algarve

Das Wandern in einem anderen Land vermittelt natürlich ein anderes Empfinden als das Wandern zuhause. Es gibt den einen oder anderen Wanderführer, oder einzelne Wander-Vorschläge in Büchern und es gibt auch Beschreibungen von Wandertouren im Internet.

Weite Huegel, manchmal Berge und viele Aussichten - das sind die Serras!

Weite Hügel, manchmal Berge und viele Aussichten - das sind die Serras!

Wir haben auch manches davon ausprobiert. Aber wir sind nicht die Leute, die sich an einen vorgegebenen Weg halten. Falls wir eine Wanderung nach Beschreibung anfangen, passiert es nur höchst selten, dass wir den Weg wirklich bis zum Endpunkt so nachgehen, wie er in der Beschreibung vorgegeben ist. Unterwegs gibt es einfach zu viele Möglichkeiten, nach Lust und Laune oder weil etwas interessantes zu sehen ist woanders entlang zu laufen. Darum benutzen wir solche Wander-Beschreibungen höchstens noch, um einige Anregungen zu finden, wie Grundsätzliches über die betreffende Gegend oder einen Ausgangspunkt, wo man das Auto abstellen kann.

In einem oder zwei der Wanderbüchern habe ich gelesen, dass man stets zu mehreren unterwegs sein sollte. Der Sinn dieser Anweisung ist mir bis heute nicht ganz klar geworden. Wir gehen maximal zu zweit, denn wir sind beides keine Gruppenwanderer. Es ist mir in all den Jahren noch kein einziges Mal passiert, dass ich mich in der Abgelegenheit der Serra in irgendeiner Form unsicher gefühlt hätte oder in irgendeiner Situation gedacht hätte, dass es gut gewesen wäre, wenn noch jemand da gewesen wäre. Für mich gilt also: diese Anweisung verstehe ich nicht.

Was kann einem denn passieren? Gefährlich wäre sicher, wenn jemand sich darauf einlässt, irgendwelche An – oder Abstiege abseits der Pfade und Wege zu gehen und auf losen Steinen an steilen Stellen den Halt verliert. So etwas machen wir natürlich nicht. Das zu tun kann ich auch niemand anderes empfehlen, denn es wird ein Riesenproblem sein, im Falle einer ernstlichen Verletzung überhaupt Hilfe zu bekommen. Es gibt nur wenige Ambulanzen und diese sind schlecht ausgerüstet. Dem Touristen wird es auch kaum möglich sein, einem Einheimischen, der nur seine Muttersprache spricht, mitzuteilen, was passiert ist und wo er sich befindet, erst recht nicht am Telefon. In weiten Teilen der Serra hat das Handy überhaupt gar keinen Antennen-Klontakt, sodass man ohnehin auf sich allein gestellt ist.

Also keine Experimente bitte! Und in schwierigem Gelände bewegt man sich natürlich immer mit Ruhe und Bedächtigkeit weiter! Ach ja: Wer eine “Vollkasko-Mentalität” besitzt, wird wahrscheinlich ohnehin nur Asphalt und Strandsand betreten, wenn er im Urlaub ist. Ein normales Lebensrisiko kann ich natürlich bei keiner Wanderung ausschließen, egal welchen Rat ich auch gebe, übrigens auch nicht bei uns zuhause.


Dann gibt es auch noch die Angst vor Kriminalität. Manche behaupten, dass man in dieser Hinsicht vorsichtig sein sollte, weil es möglich sei, überfallen und beraubt zu werden. Ich bin allerdings im Hinterland draußen ausschließlich absolut freundlichen und in keiner Weise Besorgnis erregenden Menschen begegnet. Das kann man von den touristischen Gebieten in Küstennähe nicht so sagen. Dort ist uns auch schon einmal ein Auto aufgebrochen worden. Und das auf einem ziemlich belebten Parkplatz. Dagegen ist uns draußen in der Landschaft des Hinterlandes, wo unser Mietwagen oft den ganzen Tag an einer einsamen Stelle parkte und auf uns gewartet hat, niemals irgendetwas dergleichen passiert. Offenbar konzentrieren sich die bösen Buben doch lieber auf solche Gegenden, wo die Opfer zahlreich sind, in Deutschland ist es auch nicht anders. Die Einwohner des Algarve scheinen mir ansonsten absolut freundliche, ehrliche und hilfsbereite Menschen zu sein, vielleicht ein bisschen schlitzohrig.

Ein anderes Kapitel sind natürlich für Leute, die an Tiere nicht gewöhnt sind, die frei laufenden Rinder und Schweine, für manche vielleicht sogar die Ziegen. Wir haben alle diese Tiere schon frei und unbeaufsichtigt draußen auf Futtersuche gesehen und sind niemals von ihnen beachtet worden.. Sie genießen in vielen Teilen des Algarve eine Freiheit, die dem Wanderer in den meisten Regionen Deutschlands nicht begegnet. Näheres über Hunde, Rinder und Schweine im Algarve möchte ich lieber in Extra-Artikeln beschreiben.

Ein Pfad in der Naehe von Sao Bras de Alportel, der auch andere Wanderer sicher anziehen kann

Wer bekommt nicht Lust, hier entlang zu gehen?

Und wie findet man nun seinen Weg durch diese Gebiete? Wir werden es weiter so halten, dass wir uns eine ungefähre Vorstellung machen, welche Gegend wir belaufen wollen, und uns entsprechend ausrüsten, vor allem auch Wasser mitnehmen und eine Kleinigkeit zu essen und dann losgehen nach unserem Wander-Dauermotto: „Der Weg entsteht beim Gehen!“

Wenn möglich besorgen wir uns eine Karte, auf der zumindest auch die umliegenden kleineren Dörfer angezeigt sind, so dass man eine ungefähre Orientierung behält. Dazu muss ich aber noch erwähnen, dass ich seit über 40 Jahren gewohnt bin, mich in dieser Weise durch Landschaft zu bewegen, neben der Karte stets einen Kompass dabei habe, den ich so gut wie nie brauche, und dass ich den Eindruck habe, dabei einen recht gut funktionierenden Orientierungssinn entwickelt zu haben. Jedenfalls haben wir bisher die Runde immer so hinbekommen, dass wir wieder zum Ausgangspunkt zurückkamen. Wenn auch gelegentlich erst mitten in der Nacht ;-) . Denn man weiß bei dieser “Methode” natürlich nie, ob ein Weg Anschluss hat oder als Sackgasse endet. Für mich ist das reizvoll, für andere erfahrungsgemäß eher ein Horror. Auf diese Art duert bei mir mitunter, was als einstündiger Spaziergang gedacht war, auch mal fünf Stunden – und das waren meist die schönsten Touren überhaupt.

Wer auf Nummer Sicher gehen will und wem es nichts ausmacht, einen vorgegebenen und beschriebenen Weg nachzuwandern, der sollte sich natürlich lieber an die Anweisungen eines Wanderführers halten, so wird auch die Streckenlänge deutlich kalkulierbarer. Allerdings gibt es immer mal die eine oder andere Überraschung, wenn ein Weg nicht mehr existiert, der zu der Zeit noch vorhanden war, als der Schreiber des Wanderführers dort gewesen ist. Oder ein ehemaliger Landweg ist zwischenzeitlich in eine ausgewachsene Straße verwandelt worden und überhaupt nicht mehr wanderbar.  Allerdings ist uns das zuhause in Deutschland auch schon mehrfach passiert.

Unterwegs im Hinterland kann man viele schoene Stellen entdeckenZum Schluss noch eine Anmerkung zu den Jahreszeiten: wir sind auch schon im Sommer im Algarve gewandert und das ging auch. Aber dann muss man schon einen sehr sonnenverträglichen Hauttyp haben oder sich extrem schützen. Ich benutze meist kein Sonnenschutzmittel (das vergesse ich spätestens nach einer Anwendung einfach) und hatte noch nie einen Sonnenbrand, sondern werde nur braun. Im Sommer überwinde ich mich manchmal, einen Sonnenhut zu tragen, obwohl ich es hasse, überhaupt irgendeine Kopfbedeckung auf dem Kopf zu haben. Aber ein Sonnenstich durch die Hitze ist keine angenehme Erfahrung. Da muss sich jeder selbst kennen. Die algarvische Sommersonne hat jedenfalls eine gewaltige Kraft und das ganz besonders in den Serras. Also unbedingt allergrößte Vorsicht, wenn Sie in irgendeiner Form zu Sonnenbrand neigen!

Schattige Waldwege wie bei uns zuhause findet man im Algarve praktisch nicht, denn die dort einheimischen Bäume wachsen weder so hoch noch haben sie so dichte Kronendächer wie die Buchen und Eichen im deutschen Wald. Ich finde am schönsten ist das Wandern im Algarve im Frühjahr und im Herbst, aber auch der Winter bietet oft herrliches Wanderwetter, häufig deutlich schöner als der so genannte Sommer in Deutschland. Zu jeder Jahreszeit sollten Sie unbedingt genug Wasser dabei haben, wenn Sie mehrere Stunden unterwegs sein wollen (oder könnten …). Natürlich, wie immer beim Wandern, muss man auch hier bedarfsgerecht trinken, aber nicht übertrieben viel, denn das macht bekanntlich schwere Beine und stört das Wandervergnügen erheblich.

Allen, die gern wandern, kann ich jedenfalls nur empfehlen, es auch im Algarve einmal zu versuchen. Es wird den Urlaub in jedem Fall bereichern und Erlebnisse bieten, die sonst garnicht möglich wären.

Die Weite der Serra kann man nicht nur sehen - sie ist fuehlbar!

Endlose Hügel: in der Serra de Caldeirao im Abendlicht

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