Ein Ausflug in die Ausläufer der Serra de Caldeirão

Die Serra de Caldeirão ist mit ganz unterschiedlicher Vegetation bewachsen

Unter den Serras im Algarve bildet die Serra de Caldeirão das größte Massiv, wenn auch nicht das höchste. Sie umfasst den gesamten mittleren Teil des Hinterlandes und weist schon aufgrund ihrer Größe ganz unterschiedliche Landschaften auf. Es gibt Gebiete, die landwirtschaftlich genutzt werden und solche, wo Korkeichen, Schirmkiefern, Pinien, Johannisbrot und andere Baumarten wachsen, leider natürlich auch die bekannten Eukalyptus-Plantagen. Natürlich werden auch weite Flächen von den Zistrosen dominiert.


Es gibt einige Dörfer, die zum Teil extrem abgelegen und extrem klein sind und an denen die Spuren der Landflucht natürlich auch nicht vorbeigegangen sind, und es gibt auch große Landschaftsteile, in denen man mit sich und der Welt allein ist.

Das Dorf Juncais besteht aus einer etwas auseinander gezogenen Ansammlung mehr oder weniger einzelner Häuser, die sich an einem Hang entlang zieht.An einen der herrlichen hellen Sommertag sind wir ungefähr in der Mitte dieses Höhenzuges ein wenig  umher gelaufen. Unser Ausgangspunkt war das kleine Dorf Juncais, das in der Nähe von Alportel, also ein paar Kilometer nördlich von São Brás de Alportel liegt, etwa am Südrand des Gebietes das noch zur Serra gehört. In Juncais hatten wir eine kleine Ferienwohnung gemietet, eigentlich nur ein Zimmer, von wo aus wir in diesem Falle auch losgingen. Unser Weg begann auf der “Hauptstraße” des Dorfes in Richtung Westen. Schon ein Stück vor dem letzten Haus geht die asphaltierte Straße in einen Landweg über, der eigentlich nur plan geschoben ist und keine besondere Befestigung hat. Unterhalb des Weges fließt ein kleiner Bach mit der entsprechenden Vegetation, unter anderem auch Oleander, der gerade schön blühte. Der Weg führt ein paar Kilometer weiter bis etwa zur Fonte Filipe. Er trifft irgendwann auf einen Querweg, der nördlich nach Querenca und südlich nach Loule führt.

Die Landschaft ist abwechslungsreich und das hügelige Relief erfreut das Auge.

Die Landschaft ist abwechslungsreich und das hügelige Relief erfreut das Auge.

Die Landschaft weist eine sanfte Hügelform auf, mit allerdings mitunter auch weniger sanften Anstiegen. Bald beginnen ein paar landwirtschaftlich genutzte Flächen, auf denen die typische rötliche Erde des Algarve sichtbar war. Die Felder sind nicht wie bei uns vollkommen kahl, sondern es stehen auf ihnen auch Korkeichen, unter denen das Getreide angebaut wird. Hier lebte auch die größte frei laufende Schweineherde, den wir im Algarve bisher gesehen haben. Ich glaube die Schweine wurden hauptsächlich mit Abfällen gefüttert und versuchten sich natürlich sehr viel Futter selbst, z.B. die herab gefallen Eicheln von den Korkeichen. Sie führten dort ein wahrhaft glückliches Schweineleben in völliger Freiheit. Wie ich es schon auf der Seite “wandern im Algarve” dargestellt habe, konnten wir vollkommen unbehelligt an diesem mindestens 200 Tieren vorbeigehen, oder auch mitten durch die Herde hindurch, wenn sie gerade auf der Straße waren.

Diese Schweinerasse haben wir im Freilauf in dieser Gegend am häufigsten gesehen.

Diese Schweinerasse haben wir im Freilauf in dieser Gegend am häufigsten gesehen.

Irgendwann haben wir dort auch den Besitzer dieser Schweine angetroffen, der offensichtlich sehr erstaunt war, dass wir dort zu Fuß umherwandern wollten. In typisch algarvischer Freundlichkeit hielt er ein kleines Schwätzchen am Wegesrand für durchaus angebracht.

Dann liefen wir ein wenig in den Hügeln herum, neben den Korkeichen gab es auch Olivenbäume und einige weitere Baumarten, z.B. die Steineiche oder ein paar Pinien. Aber man darf sich den Wald im Algarve nicht so vorstellen, wie man ihn von zuhause gewohnt ist. Wer Schatten sucht wird ihn dort nicht finden. Denn auch die Kronen der höheren Bäume sind so lichtdurchlässig, dass es wirklich im Schatten nirgends gibt. Das ist im Sommer natürlich ein erhebliches Problem, denn die Sonne brennt gnadenlos vom Himmel, fast senkrecht und mit einer Kraft, die sie bei uns zuhause natürlich niemals erreicht. Also: wer nicht sonnenresistent ist sollte das lieber lassen und wer die Sonne ab kann sollte niemals ohne Sonnenschutz, Sonnenhut und reichlich Wasser losgehen.

Der rechte Stein ist sicher von interessanter Bedeutung als die beiden anderen, soweit man sich für Ereignisse der Vergangenheit interessiert.

alte und neue Grensteine oder Gedenksteine in der Serra

Natürlich läuft man an einem solchen Tage nicht gerade schnell und nicht über Mittag. So trödelten wir dann mehr oder weniger ein bisschen herum und ließen das Licht und die Atmosphäre des Algarve auf uns wirken. An einer Stelle kamen wir an diesen drei Steinen vorbei,  von denen einer wohl schon ziemlich alten Datums war.  Er stellt wahrscheinlich eine alt Landmarken dar, wie man sie bei uns auch mitunter finden kann. Die beiden anderen stammen ziemlich eindeutig aus jüngerer Zeit und sind sicher Grenzmarkierungen. Natürlich kann es sich auch um einen Gedenkstein für irgend ein Ereignis handeln oder um beides. Wir haben jedenfalls niemand gefunden, der uns die Bedeutung dieses Steins erklären konnte. Immerhin zeigt er einmal mehr, dass dieser Landstrich seit alters her besiedelt ist. Es gibt eben nur sehr wenige wirkliche Naturlandschaften, die in Europa noch übrig geblieben sind. So sehe ich zum Beispiel in den Zistrosen-Flächen ein südländisches Äquivalent zu der Heide bei uns in Norddeutschland, die ja auch als Sekundär-Vegetation nach menschlicher Nutzung des Gebietes entstanden ist.

Wer Entspannung sucht und dem reizüberfluteten Leben der heutigen Zeit ein wenig entkommen möchte, der findet in der Serra de Caldeirão jedenfalls viele Möglichkeiten, um diesen Wunsch Wirklichkeit werden zu lassen.

Die Weite der Landschaft laedt fast überall zum Wandern ein.

Die Weite der Landschaft lädt in der grossen Serra fast überall zum Wandern ein.

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